Fahr zur Hölle, 2016!

Auf Facebook veröffentliche ich seit einiger Zeit jeden Freitag meine Links zum schlechten Start ins Wochenende, wo ich zwei Seiten oder Texte verlinke, die aus dem Bereich der Esoterik oder schlechten Politik stammen und die zeigen sollen, wo in den letzten Wochen überall Schwachsinn veröffentlicht wurde. Zum Ende dieses abartigen Jahres möchte ich ausnahmsweise mal einen Jahresrückblick veröffentlichen, der an alles schlechte erinnert, das dieses Jahr passierte.

2016 erinnert mich persönlich an eine vorzeitige Ejakulation. Es kam zu früh. Eigentlich begann 2016 quasi schon im Dezember 2015, als das nun kommende Jahr, vermutlich vor lauter Lampenfieber, bereits zu früh seine Arbeit aufgenommen hat und den Sänger der Band Motörhead, Lemmy Kilmister, dahingerafft hat.

Nun war der Tod von Lemmy Kilmister keine große Überraschung, immerhin wusste man seit Jahren vom Lebensstil des 70-jährigen, der sich am besten mit „geile alte Schule“ beschreiben lässt.
Rückblickend betrachtet war es aber vielleicht auch die erste, kleine Vorwarnung auf das, was uns in den letzten 366 Tagen (jap, der Mist hier war auch noch ein Schaltjahr) so alles erwartet hat.

In der Nacht vom 31. Dezember 2015 auf den 1. Januar ereignete sich dann direkt das, was die Debattenkultur in Deutschland endgültig verändern sollte. Es kam zu den Vorfällen am Kölner Dom, bei denen Menschen (vor allem Frauen) massenhaft Opfer von sexueller Belästigung und Diebstählen wurden. Bis heute kam es diesbezüglich erst zu 14 rechtskräftigen Verurteilungen
Auch rafft es im Januar einige einflussreiche Menschen dahin, ein Bild, an das wir uns bis zum Herbst alle gewöhnt haben werden. Es traf unter anderem David Bowie, Alan Rickman, Glenn Frey (Mitbegründer der Eagles), den Erfinder Artur Fischer und den Fernsehproduzenten Wolfgang Rademann. Auch Achim Mentzel und Marvin Minsky gehörten zu den Opfern des ersten Monats.
Außerdem wurde Menderez Sieger des Dschungelcamps.

Der Februar des Jahres stand ganz im Zeichen des Zika-Virus, der in Südamerika, der Karibik und Asien sein Unwesen treibt. Auch wenn die Symptome bei den meisten Menschen denen einer Grippe ähneln, so führt das Virus bei Schwangeren recht häufig zu einer Mikrozephalie beim Kind, also einer geistigen Behinderung.
In Bad Aibling starben Anfang Februar beim „Zugunglück in Bad Aibling“ 12 Menschen. Der Fahrdienstleiter, der den Unfall zu verantworten hatte, muss dafür dreieinhalb Jahre in Haft.
Maurice White (von Earth, Wind and Fire), Peter Lustig und Umberto Eco waren nur einige der Todesfälle im Februar. Für mich persönlich war der Tod von Roger Willemsen in diesem Monat am schwerwiegendsten. Ich hätte mir gewünscht, seine Gedanken zur aktuellen Problematik in Deutschland hören zu können. Jetzt müssen wir uns wohl selbst welche machen.

Viel Zeit zum Trauern blieb aber nicht, denn auch der März hatte einige Ereignisse in Petto. Selbst die letzten Kritiker mussten bemerken, dass Donald Trump nach seinem Erfolg beim politischen „Super Tuesday“ ernsthafte Chancen auf den Gewinn der Präsidentschaftswahlen hat. Ein anderes, unerwartetes Ergebnis fuhr die AFD in Sachsen-Anhalt ein, denn die zogen da mit knapp 25% der Stimmen in den Landtag ein.
Auch ist es der Böhmermann’sche-Monat, in dem sein Gedicht zum Konflikt mit der Türkei führte und die Facebook-Bevölkerung über die völlige Unfähigkeit und Kuschelpolitik mit der Türkei lamentieren ließ.
An den 22. März kann ich mich persönlich aber auch ziemlich gut erinnern. Ich war gerade auf dem Weg zur Uni, es war Klausurenphase, als im Radio die ersten Meldungen von Explosionen am Flughafen von Brüssel zu hören waren. Während ich dann in der Uni auf den Beginn der Klausur wartete, versuchte ich mich über Twitter mit den neuesten Infos zu versorgen, dauerte es doch bis in den Nachmittag hinein, bis man sagen konnte, dass der IS für einen Anschlag am Flughafen und in der U-Bahn verantwortlich war, der 33 Menschen (abzüglich der Attentäter) das Leben gekostet hat.
Auch die Todesfälle des Monats März sorgen für eine große Lücke. Nancy Reagan, Peter Conradi, Frank Sinatra Junior und Hugo Strasser sterben. Auch die politische Landschaft wurde ärmer. So starben im März ebenfalls Guido Westerwelle, Hans-Dietrich Genscher und Lothar Späth. Ganz überraschend starb auch Roger Cicero an den Folgen eines Schlaganfalls.

Der April stand ganz im Zeichen der Panama-Papers, die ein weltweites System des Steuerbetrugs bzw. der „legalen Steuervermeidung“ öffentlich gemacht haben. Auch wenn der Knall relativ laut war und viele internationale Konsequenzen nach sich Zog (Ermittlungsverfahren in mehreren Ländern, Rücktritte, Festnahmen usw.), blieb der endgültige Aufschrei in Deutschland eigentlich aus. Schade.
Der April nahm uns – allen voran – den Musiker Prince, sowie die Schauspielerin Doris Roberts, den Physiker Walter Kohn, sowie die Schauspielerin Hendrikje Fitz.

Der Mai führt uns über die Grenze zu unseren Freunden in Österreich, die einen neuen Bundeskanzler bekommen sollten. Das eigentliche politische Drama zeichnete sich aber erst knapp eine Woche nach diesem Ereignis ab; Als nämlich der neue Bundespräsident gewählt werden sollte. Den Sieg konnte Alexander van der Bellen erringen, weil man in Österreich aber anscheinend keine Briefumschläge zukleben kann, war der Sieg nur von kurzer Dauer, die Wahl musste wiederholt werden.
Außerdem gewinnen die Bayern den DFB-Pokal.
Erika Berger, Margot Honecker, Peter Behrens (Schlagzeuger von Trio), Berti Kraus, Fritz Stern, sowie Rupert Neudeck (der Begründer von Cap Anamur) sind nur einige der Todesfälle vom Mai.

Der Mai war quasi der Startschuss für die politischen Wirrungen, die sich im Juni mit dem Referendum zum Brexit fortsetzen. Die Briten entscheiden in einer historischen Abstimmung, dass es an der Zeit ist, der EU den Rücken zu kehren und entfachen damit eine völlig neue Debatte über die Möglichkeiten von Populismus und Lügen im Internet. Willkommen im 21. Jahrhundert, ihr Pfeifen!
Auch ist der Juni der Monat, in dem ein Attentäter in einem Schwulenclub in Orlando 50 Menschen tötet.
Muhammad Ali, Sascha Lewandowski, Rudi Altig und Klaus Hänel sind nur einige der Sportler, die diesen Monat nicht überleben. Auch verlieren wir Götz George, Anton Yelchin und Bud Spencer. Im erhitzten und emotionalen Wahlkampf rund um den Brexit wird die Politikerin Jo Cox von einem Neonazi ermordet.

Die „Ruhe“ der vorangegangenen Monate endete plötzlich und sehr schmerzhaft im Juli, als der Terror auch für jeden spürbar in Deutschland ankam. In Ansbach sprengt sich ein Selbstmordattentäter in die Luft. Aufgrund seiner himmelschreienden Inkompetenz werden nur er getötet, allerdings 15 Menschen verletzt.
Ein weiterer Attentäter verletzt in einem Zug in Würzburg mit einer Axt eine Gruppe Chinesischer Touristen teilweise schwer und ein geistesgestörtes Arschloch schießt in München wild um sich, was insgesamt 9 Menschen tötet.
Aber nicht nur in Deutschland überschlugen sich die Ereignisse innerhalb einiger Tage.
In Nizza in Frankreich rast am Nationalfeiertag ein Islamist im LKW in eine Menschenmenge, tötet 86 Menschen und verletzt mehrere Hundert schwer.
In Großbritannien tritt David Cameron zurück und lässt Theresa May von der Leine, der gescheiterte „Putschversuch“ in der Türkei veranlasst Erdogan zum kompletten Realitätsverlust und führt die Türkei in eine Diktatur, Trump wird von den Republikanern offiziell als Kandidat für das Amt des Präsidenten nominiert, und das innerhalb von weniger als 2 Wochen. Viele dieser Ereignisse fanden innerhalb eines einzigen Tages statt.
Im Juli starben unter anderem die Moderatorinnen Jana Thiel, sowie Miriam Pielhau, beide an Krebs. Peter Velhorn und Katharina Focke sind nur zwei weitere der zahlreichen Todesfälle des Monats.

Für mich persönlich war der August definitiv der schlimmste Monat, aber persönliche Geschichten sind ja eher uninteressant. Dieser Monat stand ganz im Zeichen von Olympia, den Doping-Katastrophen, sowie der regelmäßigen Erkenntnis, dass ein Land für die Spiele jede Menge Kohle ausgibt, eine Fassade entwickelt und so von den realen Problemen eines Landes ablenkt. Dass die Sportstätten im Anschluss ungenutzt verwesen, ist auch längst keine neue Erkenntnis mehr.
Abseits von Olympia gab es am Ende des Monats ein schweres Erdbeben in Italien, bei dem rund 300 Menschen sterben. Dieses Erdbeben offenbart auch wieder einmal die Unfähigkeit der EU, sowie Italiens, den Menschen schnell und einfach die nötige Hilfe zukommen zu lassen.
Im Juli starb Kenny Baker, der als der Droide R2-D2 in die Geschichte eingeht. Aber auch der Schriftsteller Hermann Kant, der ehemalige Bundespräsident Walter Scheel, der Nobelpreisträger James Cronin, sowie der Schauspieler Gene Wilder verlassen uns im August.

Der September war etwas ruhiger, er stand wieder ganz im Zeichen der Politik. Die AFD holt in Mecklenburg-Vorpommern über 20% der Stimmen, in der Berliner Abgeordnetenhauswahl erreichen sie 14,1%. Der Pirat Gerwald-Claus Brunner gerät in die Schlagzeilen, weil er seinen Mann und im Anschluss sich selbst tötet.
Die Politikerin Jutta Limbach, der Journalist Günter-Peter Ploog, und der ehemalige israelische Präsident Schimon Peres sind einige der Persönlichkeiten, die wir im September verlieren.
Auch stirbt mit Max Mannheimer ein weiterer Holocaust-Überlebender.

Der Oktober war zum Glück auch eher ein lauer Monat, es war quasi die Ruhe vor dem Sturm.
Dschaber al-Bakr, ein Terrorverdächtiger, wurde festgenommen, weil der Verdacht bestand, er würde einen Anschlag in Deutschland planen. Er beging dann in Einzelhaft Suizid. 2016 war wirklich nicht das Jahr der deutschen Justiz.
Außerdem schaffte es Günther Öttinger, die senile, degenerierte, durchlobbyierte Luftpume mit einer ziemlich rassistischen Rede in die Schlagzeilen, in denen er Chinesen als „Schlitzohren und Schlitzaugen“ bezeichnete, die schwarze Schuhcreme im Haar trugen, meckerte gegen die „Pflicht-Homoehe“, Mütterrente, Frauenquote, Mindestrente und was halt noch in seine Redezeit gepasst hat. Schlimmer war für mich nur sein Wirken innerhalb der EU. Ich rede vom Leistungsschutzrecht, das eigentlich das halbe Internet unter Strafe stellt und das Urheberrecht über alles Stellt. Eine kleine Aufdröselung der Feinheiten gibt’s hier.
Abgesehen von der Freiheit des Internets starben im Oktober unter anderem Manfred Durban von den Flippers, Pierre Étaix (einer der letzten Clowns), sowie Bhumibol Adulyadej, der König von Thailand.

Für den November reicht eigentlich ein Wort.
Trump.
Zu den prominentesten Todesfällen gehörten Peter Hintze, Fidel Castro und der großartige Leonard Cohen.

Mit dem Dezember endet nun das Jahr 2016 endgültig und wir alle dürfen ihm in den letzten Atemzügen zusehen, sowie sein Ableben mit einer lautstarken Party feiern.
Der Dezember brachte Deutschland einen weiteren Terroranschlag nach dem Vorbild von Nizza, die israelkritische Resolution, die sie zum Ende des Siedlungsbaus auffordert, sowie den Sieg der Assad-Truppen über Aleppo.
Anhand von George Michael, Carrie Fisher und ihrer Mutter Debbie Reynolds, die einen Tag nach dem Tod ihrer Tochter an einem Schlaganfall starb, möchte ich nochmal darauf hinweisen, warum ich über diese Menschen schreibe, nicht aber über die anderen, die jeden Tag hier auf der Welt sterben.
Es liegt einfach in der Natur der Menschen. Diese Schauspieler, Politiker, Sänger, Künstler, haben die Welt geprägt und verändert. Sie haben ihren Einfluss genutzt um die Welt ein Stück besser zu machen und das Leben ganzer Generationen zu prägen. Da ist es nur natürlich, dass man um Menschen trauert, zu denen man einen Namen und ein Gesicht hat.
Selbstverständlich ist diese Liste und der gesamte Rückblick nicht exklusiv. Man kann ihn beliebig mit Todesfällen oder Schicksalen, sowohl aus dem öffentlichen als auch privaten Bereich, erweitern.

Das war mein Rückblick zum schlechten Start ins neue Jahr.
Ich wünsche euch noch einen angenehmen Abend. Tut mir einen Gefallen, auch wenn 2016 beinahe zu Ende ist, so ist es noch nicht ganz überstanden. Also passt gut auf euch auf, auf dass 2017 ein besseres, aber vielleicht wenigstens ein anderes Jahr wird.

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