Trump.

Ich frage mich, wie die Kandidaten wohl ausgesehen hätten, wenn die Menschen wüssten, was das Leben in einer Demokratie für eine Verantwortung mit sich bringt.
Was muss in einem Land schiefgelaufen sein, in dem Donald Trump als ernstzunehmende Alternative gilt? Wie kann ein Volk einen Mann zum Oberhaupt des Landes bestimmen, der die politische Weitsicht und die Persönlichkeit einer abgelaufenen Tiefkühllasagne besitzt (und der überraschenderweise auch so ähnlich aussieht)?

Um meinen Post von heute Morgen aufzugreifen: Es gibt in Amerika alle paar Jahrzehnte einen großen Politiker, der das Land seiner Epoche entsprechend auf Vordermann bringt. Und viel zu häufig finden sich Männer, die dieses politische Wirken annihilieren. John Wilkins Booth hat Lincoln erschossen, Lee Harvey Oswald tat dies mit Kennedy. Und nun annihiliert der nächste Verrückte das Wirken des Präsidenten – dieses Mal allerdings mit der Unterstützung des amerikanischen Volkes.

Das amerikanische Volk…ein Volk, das die Finanzkrise nie überwunden hat. Ein Volk, das vor 8 Jahren alle Hoffnung in Obama setze – vielleicht zu viel Hoffnung, denn Obama ist in entscheidenden Fragen leider gescheitert. Der Mittelstand ist nach wie vor praktisch nicht existent, viele Amerikaner sind hochgradig verschuldet, brauchen locker zwei Jobs, um überhaupt die laufenden Kosten zu decken und die Menschen, die diese Situation verbrochen haben, wurden von der Justiz nicht angerührt.
Und mitten in diesem Chaos steht Obama, der „Außenseiter“ und Hoffnungsträger, den viele in ihm gesehen haben und muss versuchen, mehr als nur ein Land zu regieren – er muss versuchen, ein neues Amerika aus dem Boden zu stampfen, und das gegen den Widerstand der Republikaner.
Vielleicht ist „gescheitert“ das falsche Wort, aber auch nach 8 Jahren mit Brobama hat Amerika viele Probleme, die die Demokraten nicht lösen konnten. Aber leider begann vor einigen Monaten dann die Phase des Wahlkampfs um den nächsten Präsidenten.

Und da kommt erneut eine Clinton um die Ecke…

Eine Frau, die so durchschaubar ist, wie eine Mauer aus Stahlbeton. Eine Frau, die sich zwar alles selbst erarbeitet hat (im Gegensatz zum zukünftigen Präsidenten), die aber in der Öffentlichkeit immer als Teil des Establishments wahrgenommen wurde, es vermutlich auch ist. Als Teil des Establishments, dem die Amerikaner zurecht die Schuld an ihrer Misere geben.
Eine Frau, die nie ihren Ruf ablegen konnte, immer dort zu sein, wo das große Geld winkt.
Eine Frau, die nicht alleine um das Amt des Präsidenten stritt…

Bernie Sanders, ein Mann der so weit links außen steht, dass er in Deutschland schon beinahe im konservativen Block der Linkspartei sitzen könnte, hat viele Menschen auf seine Seite ziehen können, weil er sich mit Themen wie der immensen Verschuldung und dem Abrutschen des Mittelstandes beschäftigt hat. Leider war ihm die Unterstützung der Demokraten nie sicher – gegen Hillary Clinton kam niemand an. Dafür sorgte sie. Allerdings konnte sie nicht alle Konkurrenten ausstechen. Einer bleib übrig…

Donald Trump.
Am Anfang des Wahlkampfes war Trump der bekannteste Mann unter einem Haufen namenloser Männer,  dem aber trotzdem niemand große Chancen einräumte. Zu breit war das Feld der Republikaner, die alle um das höchste Amt des Staates stritten. Und doch hatten all diese Republikaner wieder das Problem mit dem Establishment. Und während sich also alle Kandidaten gegenseitig zerfleischen, grätscht Donald Trump rein und geifert und schlägt wild um sich. Und jeder Schlag trifft. Jedes Wort aus Donald Trumps Mund landet zuverlässig in den Medien und ganz Amerika kann sich am Auftreten des Schulhofrowdys gütlich tun.
Ganz Amerika hört die Worte von Trump. Ganz Amerika liest puren Populismus. Und dieser Populismus fällt in den USA auf fruchtbaren Boden. Überall wo Menschen durch den Wegfall der Industrie ihren Job verloren haben. Überall wo Studenten gigantische Schulden ansammeln, nur weil sie sich einen Job erhoffen, der wenigstens die gröbsten Kosten deckt. Überall dort wo Menschen selbst mit zwei oder drei Jobs gerade so leben können, aber nicht mal in der Lage sind, 400 Dollar anzusparen, weil das Geld einfach nicht reicht.
Und ganz Amerika sieht, wie unangenehm dieser Mann den etablierten Politikern ist. Ganz Amerika sieht, wie sich „das Establishment“ aufregt, um Trump zu verunglimpfen. Und das sichert ihm die Gunst der Wähler. Ja, er hätte wirklich am Times Square stehen und wild um sich ballern können. Das hat er allerdings nicht getan. Er hat lediglich den Wählern vorgegaukelt, dass er der Außenseiter ist, der das Establishment (in das er hineingeboren wurde) angreift.
Die Wahl der Amerikaner war keine Wahl aus Dummheit, sondern eine aus Wut und Verzweiflung. Aber wie jede andere Entscheidung, die durch Wut getrieben ist, wird auch diese das Desaster der Amerikaner nur verstärken. Trump wird nichts besser machen, im Gegenteil. Er wird das Land vermutlich noch schlimmer verschulden und…keine Ahnung. Im Moment will ich mir gar nicht ausmalen, was dieser Mann für Amerika bedeutet – und was dieser Mann für Europa bedeutet.
Wenn ich allerdings noch weiter nach Osten schaue, sehe ich einen Mann, der in den nächsten 4 Jahren beinahe tun und lassen kann, was er will. Und das bereitet mir wirklich Sorgen, aber der Text ist schon lang genug und über Russland und die EU werden wir in den nächsten 4 Jahren selbst genug hören. Dafür braucht es mich nicht.
Bevor ich den Text abschließe will ich nur meine Warnung wiederholen, die ich schon beim Brexit äußerte: Wenn die Parteien in diesem Land und in dieser EU nicht bald anfangen, die Sorgen ihrer Bevölkerung zu adressieren, ist nicht nur die EU bald Geschichte, sondern dann sind SPD&CDU bald auch nicht viel mehr als eine Oppositionspartei.

Donald Trump ist fleischgewordener Größenwahn, der an den Herausforderungen der Welt zerbrechen wird. Hoffen wir, dass er bei seinem Fall das Land einigermaßen unbeschadet hinterlässt.
Der Mann, der die Taten des zukünftigen US-Präsidenten annihiliert, kann gar nicht früh genug kommen.

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