Gentechnik machen Bienen tot

So ein beliebtes Totschlagargument der Gentechnikgegner ist es ja, den möglichen Schaden an Nutztieren anzuführen, die durch Anwendung von Gentechnik und Pflanzenschutzmittel entstehen können. Darum geht es auch heute, nur dass die Nutztiere in diesem Fall ‚ne Spur kleiner ausfallen.
Da sorgen sich dann Leute, die im Sommer auf alles einprügeln, was Schwarz-Gelb gestreift ist (und vielleicht aus Dortmund kommt) ganz plötzlich um die Gesundheit der kleinen pelzigen Sexualaufklärer.
Liebend gerne kommt dann immer ein Zitat, das nicht von Einstein stammt, aber natürlich mit seinem Namen hinten dran direkt ein wenig bedeutungsschwangerer wird:

„Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch 4 Jahre zu leben“

Das stimmt nicht. Zugegeben, die Welt wird nicht gerade schöner, wenn die Bienen verschwinden, aber es bedeutet nicht gleich unser Ende. Auf Astrodicticum Simplex gibt’s noch ein paar weitere Zeilen zu dem Zitat und der Bedeutung von Bienen für unser Ökosystem.
Die Tatsache, dass unsere Lebensqualität nicht so fest mit Bienen verwoben ist, wie manche es gerne hätten, ist natürlich kein Freifahrtschein dafür, mit ihnen zu tun, was wir wollen.

By André Karwath aka Aka (Own work) [CC BY-SA 2.5], via Wikimedia Commons
By André Karwath aka Aka (Own work) [CC BY-SA 2.5], via Wikimedia Commons
Es sind keine Honigbienen, aber trotzdem; Sind sie nicht knuffig? Und bevor ihr fragt: Ja. Hier gibt es nicht nur was für’s Hirn, sondern auch für den Kreislauf.

Jedenfalls wird viel dafür getan, Bienen zu erhalten. Dementsprechend häufig tauchten in den letzten Jahren auch Meldungen zum Thema Bienensterben auf und es wurde viel Ursachenforschung betrieben. Die Schuldfrage stellte sich und als Schuldige identifiziert wurden eine Mischung aus Pestiziden, Parasiten und Krankheiten. Zuletzt wurde einer der Schuldigen vor anderthalb Jahren in den USA bestimmt, in denen das Massensterben tatsächlich ein großes Problem darstellt.
Der für das Bienensterben hauptverantwortliche Schädling heißt Varroamilbe und findet sich bei der Brut im Bienenstock, wo er sich hervorragend vermehren kann. Dort nistet er sich auf den verpuppten Bienen ein und saugt ihnen ihre Hämolymphe aus. Bei Bienen und anderen Insekten ist die Hämolymphe quasi das, was für uns das Blut ist.

Gemeinfrei
Gemeinfrei

Die Bienen sterben daran nicht zwingend sofort, sind aber (verglichen mit gesunden Honigbienen) deutlich kleiner und weniger Leistungsfähig. Außerdem sterben sie früher als ihre gesunden Artgenossen.
Die Varroamilbe überträgt außerdem Viren auf die Bienen, die sehr gerne als letztendliche Hauptverantwortliche für das Sterben ganzer Bienenvölker ausgemacht werden.
Die Milbe ist eine so große Bedrohung, dass sich sogar Monsanto eingeschaltet hat, um ihr den Garaus zu machen (gut, dass sie damit vermutlich neue Märkte erschließen wollten und es nicht in erster Linie darum geht, Bienen zu retten, sollte klar sein). Monsanto kaufte dazu vor ein paar Jahren die Firma Beelogics, die es geschafft haben, eine RNA-Interferenz-Lösung zu entwickeln, die Honigbienen in Form von Zuckerwasser verabreicht wird. Die RNA ist ja die kleine Schwester der DNA und bei der Proteinbiosynthese dafür verantwortlich, DNA in Proteine umzuschreiben. Sie kontrolliert also, welche Abschnitte der DNA zu Proteinen verarbeitet werden und welche nicht. Und genau das macht man sich zunutze. Man nimmt einen RNA-Strang, der verhindert, dass die Milben bestimmte Proteine ausbilden können, was zu ihrem Tod führt. Diese RNA-Abschnitte gibt man den Bienen in einer Zuckerlösung zu trinken. Die Bienen übertragen die RNA dann auf ihre Nachkommen, dort zirkuliert die RNA im Blut der Larven und wird von den Milben aufgenommen. Wichtig ist natürlich, dass es sich um einen RNA-Abschnitt handelt, der sich genug von denen der Bienen unterscheidet. Ansonsten ist das Prinzip Idiotensicher, da sich die RNA nicht auf das Erbgut der Bienen überträgt. Jede neue Population von Larven müsste also erneut mit dem RNA-Zuckerwasser behandelt werden.

Durch dieses Verfahren ist es auch möglich, auf den Einsatz weiterer Pestizide zu verzichten, deren übermäßiger Einsatz eine weitere Bedrohung der Bienenvölker darstellt. Obwohl jahrelang ein konstanter Rückgang des Einsatzes von Pestiziden in der Landwirtschaft zu verzeichnen war, sich im Moment konstant hält und viele Pestizide in ihrer Schädlichkeit abgenommen haben, sind viele Pestizide trotz allem insbesondere für Bienenvölker schädlich. Eine Überraschung gibt es hierbei dennoch. Eine Studie hat 42 Präparate untersucht. 26 davon sind besonders schädlich für Bienen und lediglich 3 der Präparate beeinträchtigen die Bienen gar nicht. Die Überraschung dabei ist aber, dass zu den unschädlichen Präparaten ausgerechnet Glyphosat zählt. Das Glyphosat, das von Kritikern gerne mal als besonders schädlich und böse angeprangert wird. Keine Überraschung ist hingegen die Tatsache, dass also 39 der getesteten Präparate die Gesundheit der Bienen stark beeinträchtigen, oder für diese sogar tödliche Auswirkungen haben. 3 dieser Pestizide sind inzwischen auch verboten worden.

Auf der Seite „Vielfalterleben“, finden sich noch weitere Punkte, die sich gegen Gentechnik und für den Bienenschutz aussprechen. Zeit, ein paar davon zu entkräften

Aber vorher, eine Biene. Auf einer Blume:

By Taken by fir0002 | flagstaffotos.com.au Canon 20D + Sigma 150mm f/2.8 (Own work) [GFDL 1.2], via Wikimedia Commons
By Taken by fir0002 | flagstaffotos.com.au Canon 20D + Sigma 150mm f/2.8 (Own work) [GFDL 1.2], via Wikimedia Commons
Knuffig!

Das erste Argument, das in dem Link da oben angeführt wird, ist die Vermutung, dass sich Bienen also von Pollen der genetisch veränderten Pflanzen ernähren müssen. Das führe zu gravierenden Veränderungen der Artenvielfalt und der Natur im Allgemeinen. Da ich dieses umfangreiche Thema in einem eigenen Text ansprechen will, sie nur folgendes gesagt: Uns war die Artenvielfalt schon immer scheiß egal. Wir haben im gesamten Verlauf der Geschichte immer die Pflanzen genutzt, die für bestimmte Zwecke am effizientesten waren. Das jetzt als Schutzargument zu bemühen, um gegen Gentechnik zu wettern, aber nicht zu fordern, die natürliche Artenvielfalt bei Nutzpflanzen im Allgemeinen zu bemühen, ist ein klein wenig Bigotterie.
Trotz allem kann die unkontrollierte Ausbreitung von genetisch veränderten Pflanzen natürlich tatsächlich Auswirkungen haben. Insbesondere auf Bauernhöfe, die kein Interesse daran haben, solche Pflanzen anzubauen. Dem kann man allerdings relativ einfach entgegensteuern, indem man die Pflanzen so verändert, dass eine natürliche Verbreitung selbiger nicht mehr möglich ist und jedes Jahr neue Samen gekauft werden müssen. Aber dann höre ich schon die ersten Kritiker rufen, dass Saatgutkonzerne ihre Kunden ausbeuten.
Aber gut, zu den Möglichkeiten und Problemen, die bei der Ernährung von bald 10 Milliarden Menschen auftreten, schreibe ich ja an anderer Stelle noch.

Ein weiterer Kritikpunkt ist der sogenannte „Horizontale-Gentransfer“, der auftreten soll, wenn Bienen mit genetisch veränderten Organismen in Kontakt kommen. Der Horizontale-Gentransfer beschreibt einfach den Übergang von Genen verschiedener Spezies ineinander. Also die Übertragung von Genen eines Bakteriums in eine Pflanze, von einer Pflanze in ein Tier, von einer Tierart in eine andere, und so weiter. Und obwohl in dem Text suggeriert wird, dass dieser Gentransfer häufig auftritt, so ist er selbst unter idealen Bedingungen im Labor kaum nachzuvollziehen. Der Transfer von Genen hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Diese reichen von der Beschaffenheit der Gene bis hin zum selektiven Druck, der Organismen dazu zwingt, sich anzupassen. Desweiteren wird auch noch behauptet, die Gene, die in Bt-Mais verarbeitet sind, wären Schädlich für Bienen. Auch diese Behauptung (beide entstammen übrigens aus einer Jenaer Studie), konnte nicht reproduziert werden.
Ein weiteres Anzeichen für die Unschädlichkeit von genetisch veränderten Pflanzen auf die Bienen ist auch die Anwesenheit des Bienensterbens, trotz Abwesenheit solcher Pflanzen, in weiten Teilen Europas.

Zeit für ein kleines Zwischenfazit:
• Bienensterben ist ein ernsthaftes Problem.
• Es gibt Möglichkeiten, Bienenpopulationen zu schützen, ohne Pestizide nutzen zu müssen.
• Pestizide sind ein großes Problem für Bienen. Ausgerechnet Glyphosat schadet diesen aber nicht.
• Genetisch veränderte Pflanzen stellen kein Problem für die Gesundheit von Bienen dar.
• Es übertragen sich auch quasi keine Gene von den Pflanzen auf die Biene.

Also ist die Biene im Moment vor der Gentechnik sicher. Super. Aber wie steht es eigentlich um unsere Sicherheit? Immerhin sind Bienen nicht nur süß, sie produzieren auch ein verdammt leckeres Nahrungsmittel, von dem vermutlich jeder von uns ein Glas zu Hause hat.
Also, wie sieht es mit Gentechnik im Honigglas aus?

Es gab bereits 2005 eine Untersuchung zu dem Thema, bei der man nicht klar herausarbeiten konnte, ob Bestandteile verschiedener Pflanzen im Honig nun ihren Ursprung in genetisch veränderten Pflanzen hatten, oder in ganz normalen. Da 2005 aber auch schon ein paar Jahre her ist, konzentrieren wir uns in diesem Fall mal auf ein Urteil des EU-Gerichtshofes zum Thema Pollen im Honig, von 2011. Laut diesem Urteil sind genetisch veränderte Pollen im Honig eine Lebensmittelzutat. Damit dieser Honig nun verkauft werden kann, muss eine genetisch veränderte Pflanze auch die europäische Zulassung als Lebensmittel haben, was bei solchen Pflanzen ja durchaus…schwierig ist. Ein großes Problem stellt dabei nämlich der Import von Honig aus Ländern wie Kanada dar. Dort sind genetisch veränderte Pflanzen zugelassen und werden damit auch im Honig verarbeitet, dürfen aber nicht nach Europa eingeführt werden, weil diesen Pflanzen hier die Zulassung fehlt.
Dieses Urteil ist bis heute gültig, sollten sich aber in Honig spuren genetisch veränderter Pflanzen finden, werden diese als zufällige, technisch nicht vermeidbare Beimischung bezeichnet, solange der Anteil solcher Pollen die willkürlich gesetzte Grenze von 0,9% nicht überschreitet.
Weitere Fragen zum Thema Gentechnik im Honig beantwortet das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft in einem eigenen FAQ

Nachdem wir jetzt also über alles gesprochen haben, mach‘ ich mir erstmal ein Brötchen mit Honig.

Gemeinfrei
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