Rettet die Bananen!

Vielleicht liegt’s an meiner selektiven Wahrnehmung, aber es kommt mir so vor, als würden nach und nach genau die Lebensmittel vom Markt verschwinden, die ich persönlich favorisiere. Das einzige Fertiggericht das ich (neben Tiefkühlpizza) kaufe, wird von einem Supermarkt (dem mit den Buchstaben im Namen) aus dem Sortiment genommen. Ganz nebenbei natürlich auch noch eine ziemlich leckere Eissorte. Und als wäre das nicht genug, entscheidet sich die Natur auch noch dafür, ein wundervolles Obst zu bedrohen. Erneut. Und wie bringt man mir diese Nachricht bei? Kalt. Herzlos. Überraschend. In einem Spektrum-Artikel.

Dort hab‘ ich allerdings auch einige interessante Aspekte über die Banane und ihre Geschichte erfahren. Wirklich beeindruckt hat mich die Tatsache, dass neue Bananenpflanzen die Schösslinge einer großen Mutterpflanze sind, was sämtliche Bananen überall auf der Erde genetisch identisch macht(1). Wenn die Mutterstaude jetzt noch damit beginnt, alle Bananenabkömmlinge telepathisch zu kontrollieren, dann haben wir DIE Vorlage für praktisch jeden Film, in dem Aliens vorkommen! Also wenn das kein Grund ist, die Bananen vor ihrem möglichen Ende zu schützen, dann weiß ich auch nicht weiter.

„Musa-sp3.1“ von Uploaded by JoJan - Uploaded by JoJan. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons
„Musa-sp3.1“ von Uploaded by JoJan – Uploaded by JoJan. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons

Wer hätte gedacht, dass Aliens so hübsch sein können?

Verantwortlich für das Bananenstaudensterben (die deutsche Sprache ist wirklich wie geschaffen für Dichter und Denker) ist ein Pilz mit dem Namen „Fusarium oxysporum f. sp. Cubense“. Dieser Pilz ist die Unterart eines größeren Schimmelpilzes der sich darauf spezialisiert hat, diverse Obst- und Gemüsesorten zu befallen. In diesem Fall müssen die Bananen dran glauben. Dieser Schimmelpilz bildet in der Landwirtschaft im Allgemeinen und dem Anbau von Bananen im Speziellen, einen Zweig der größten ungelösten Schädlingsprobleme. Dieses Problem rührt daher, dass es keine Möglichkeit gibt, den Pilz mittels Fungiziden zu töten. Auch ist eine Diagnostik nur schwer möglich, da sich wenig bis keine Gemeinsamkeiten im Erbgut der diversen Sporen finden lassen. Auch hat man eher eine grobe Vorstellung über die Verbreitung des Pilzes. Vermutlich sind Tiere dafür verantwortlich, die Pilzsporen auf Plantagen einzuschleppen. Auch Gastarbeiter aus anderen Ländern könnten für eine interkontinentale Verbreitung der Sporen verantwortlich sein. Im Allgemeinen können kontaminierte Erde, Wasser oder selbst Equipment der Farmer Überträger für die Sporen sein. Sind die Sporen erstmal auf einer Plantage angekommen, kann man eigentlich nur noch versuchen, die betroffenen Bananenstauden zu isolieren, um eine Ausbreitung des Pilzes auf andere Stauden zu verhindern. Denn aufgrund der Tatsache, dass die Bananenstauden im Prinzip alle Klone der einen Mutterstaude sind, sind auch alle in gleichem Maße für die Pilze anfällig.

So sieht der Bananen-Killer aus:

So sieht der Bananenkiller aus
„K7725-1-sm“ by Keith Weller, USDA-ARS – USDA. Licensed under Public Domain via Wikimedia Commons

 

Die Krankheit, die von diesem Pilz ausgelöst wird, wird allgemein als Panamakrankheit bezeichnet. Ist eine Bananenstaude befallen, so verfärbt sich zuerst ihre Wurzel ins rotbraune. Diese Verfärbung zieht sich langsam durch den Stamm bis hin zu den Blättern. Diese verfärben sich gelb und spalten sich in der Mitte. Sie welken. Am Ende stirbt die komplette Pflanze ab, da der Pilz die Leiterbahnen innerhalb der Pflanze verstopft, was dazu führt, dass der Transport von Wasser und Nährstoffen durch die Pflanze unmöglich wird. Aufgrund der räumlichen Nähe der Bananenstauden auf einer Plantage kann somit der Befall einer Pflanze zeitnah zu einem totalausfall der Ernte führen. Selbst wenn der Sporen nicht unmittelbar auf einer Wirtspflanze landen, so können sie bis zu 30 Jahre lang inaktiv bleiben und sogar auf anderen Pflanzen überleben, bis sie letztendlich einen geeigneten Wirt finden.
Natürlich wirken die Sporen des Pilzes auch schädlich auf den Menschen. Zum Beispiel kann es bei längerem Verzehr von Sporenbelasteten Lebensmitteln zu einem Nierenversagen kommen.

So sieht ein befallener Stamm aus

Liberato JR, Gasparotto L, Henderson J, Smith LJ, Daly AM & Shivas R. - PaDIL [CC BY 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0)], via Wikimedia Commons
Liberato JR, Gasparotto L, Henderson J, Smith LJ, Daly AM & Shivas R. – PaDIL [CC BY 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0)], via Wikimedia Commons

von Liberato JR, Gasparotto L, Henderson J, Smith LJ, Daly AM & Shivas R. – PaDIL [CC BY 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0)], via Wikimedia Commons

Nun ist der Befall mit der Spore nichts Neues. Es gab eine Bananensorte, die „Gros Michel“ genannt wurde. Diese war bis vor ungefähr 50 Jahren die bedeutendste Bananensorte, die international vertrieben wurde. Heutzutage ist diese Bananensorte allerdings praktisch nicht mehr existent. Auslöser war auch hier der Befall mit einer Rasse des Fusarium oxysporum f. sp. Cubense Stammes. Abgekürzt wird diese Rasse als TR1 (Tropical Race 1) bezeichnet. Auch wenn die ersten Fälle des Pilzbefalles um die damalige Jahrhundertwende bekannt wurden, hat es bis 1960 gedauert, erste Maßnahmen zur Eindämmung dieses Pilzes zu ergreifen. Allerdings war es dann schon zu spät und Gros Michel war praktisch ausgestorben.

Diese Banane haben wir verloren.

„Gros Michel Bananas“ by Source. Licensed under Fair use via Wikipedia

 

Zu dieser Zeit kam auch die Cavendish-Banane (die heute in jedem Supermarkt zu finden ist) aus dem asiatischen Raum. Sie war in geschmacklicher Hinsicht für viele Konsumenten unzureichend, etablierte sich allerdings dank mangelnder Alternativen in den Supermärkten weltweit.

Bereits 30 Jahre später hat sich erneut eine Unterart unseres pilzigen Bekannten in den Bananenstauden der Welt breit gemacht. TR4, die die Cavendish-Bananen befällt. Und in der Bekämpfung des Pilzes ist man heute nur unwesentlich weiter, als damals. Das ist besonders unglücklich, da es jetzt keine Ersatzbanane gibt, auf die man mal kurzfristig zurückgreifen kann. Durch die Fokussierung auf eine einzige Bananensorte, die Weltweit im großen Stil angebaut wird, konnte man zwar die Produktion optimieren und Bananen das ganze Jahr über weltweit verfügbar machen, hat aber natürlich ein Problem, wenn Krankheitserreger diese Bananen befallen.

Und diese Banane dafür gewonnen

„Bananen Frucht“. Lizenziert unter CC BY-SA 2.5 über Wikimedia Commons

 

Es gibt Bananensorten, die eine Resistenz gegen den Pilz besitzen. Dies sind Wildbananen, die erst aufwendig in bisherige Bananenstämme eingekreuzt werden müssten. Das wurde allerdings schon getan. Mit relativem Erfolg. Die Bananensorte „Goldfinger“ wurde bereits 1988 zum Patent angemeldet. Das Problem dabei ist, dass diese Bananen natürlich nicht zur Sorte der Cavendish gehören. Sie schmecken anders (in diesem Fall eher nach Apfel als nach Banane), sehen leicht verändert aus und besitzen eine leicht veränderte Konsistenz.

Im Allgemeinen gibt es natürlich eine Vielzahl von Bananensorten, die der Cavendish in nichts nachstehen. Das große Problem an der Sache ist der Umstand, dass diese Bananen nicht auf demselben Niveau angebaut werden, wie die Cavendish. Muss man im Notfall auf diese Sorten zurückgreifen, heißt das, sie werden teurer sein, nicht das ganze Jahr verfügbar und sie werden sich geschmacklich natürlich von der Cavendish unterscheiden. Teilweise auch im positiven Sinne. Um die Cavendish zu retten, müsste man also damit beginnen, ein breiteres Spektrum an unterschiedlichen Bananensorten anzubauen. Diese Vielfalt an Bananen würde einzelne Plantagen, die nun mehrere Bananensorten anbauen können, natürlich nicht so anfällig für die verschiedenen Pilzstämme machen. Allerdings wäre diese Vielfalt nutzlos, wenn die Kunden am Ende wieder nur eine bestimme Banane kaufen, oder schlimmer, den Kauf all dieser neuen Bananensorten ablehnen.
Es gäbe da noch eine Möglichkeit. Man könnte Gentechnik nutzen, um die Bananen gezielt zu kreuzen, sodass die Cavendish-Banane weiterhin bestehen bleibt. Nur eben mit einer genetischen Veränderung, die es für den Pilz unmöglich macht, die Bananenstauden zu befallen. Gezielte Veränderungen der Bananen-DNA wird bereits genutzt, um Bananen für den Afrikanischen Markt mit Nährstoffen anzureichern, um den Mangel an Vitamin A in der Ernährung der Menschen dort auszugleichen. Mehr dazu im abschließenden Link des Textes, ganz unten.
Die Problematik des Pilzbefalls lässt sich nun also auf zwei verschiedene Arten lösen:
1.) Man kreuzt resistente Bananenstämme in die Cavendish-Banane ein, was unter anderem den Geschmack verändert und garantiert zu Unmut bei vielen Kunden führt.
2.) Man verwendet gentechnisch veränderte Cavendish-Bananen, die gegen den Pilz immun und ansonsten zu 99,9999% mit der normalen Cavendish-Banane identisch sind. Aber sobald man das Wort „Gentechnik“ mit der Banane in Verbindung bringt, wird der Verbraucher diese Bananen ebenfalls meiden.
Um ehrlich zu sein, habe ich keine Ahnung, was sich bei den Verbrauchern leichter durchsetzen wird. Mein Favorit wäre die zweite Variante, die allerdings im Voraus einiges an jahrelanger Aufklärung innerhalb der breiten Gesellschaft voraussetzt. Ich glaube, ich sollte mich dem Thema Gentechnik auch mal widmen. Ach, wieso warten?
Wie es der Zufall so will, gibt es nämlich auch einen ziemlich interessanten TED-Talk über die Gründe die dazu führen, genetisch veränderte Nahrungsmittel zu erzeugen und anzubauen. Der Talk ist im Moment nur in Englisch verfügbar, aber auf jeden Fall sehr interessant und lohnenswert:

Wer noch ein wenig mehr über den Einsatz von genetisch veränderten Bananen erfahren will, der sei auf dieses Projekt verwiesen: http://www.banana21.org/about.html

(1) Natürlich existieren unterschiedliche Bananensorten, die sich auf genetischer Ebene voneinander unterscheiden. Allerdings ist die vorherrschende Bananensorte, die weltweit angebaut wird, die sogenannte Cavendish-Banane. Genetische Identität bezieht sich also nur auf die Abkömmlinge der Cavendish-Banane.

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