Wirkungslose) Alternativen Spezial – Behandlungserfolge & Eigentherapie mit Chlordioxid

So langsam aber sicher tritt immer deutlicher zutage, worum es sich bei dem Spirit of Health Kongress handelt. Es ist nämlich eine reine Werbeveranstaltung für MMS. Die restlichen Heilmethoden sind nur Randerscheinungen, die ebenfalls nebenher existieren dürfen. Das zeigt auch unser nächster Referent, Andreas Ludwig Kalcker. Im Übrigen ist er KEIN Doktor, das nehme ich mal vorweg. Sein Doktortitel hat ihn 1500 Euro gekostet. Mehr findet sich auf der obligatorischen Psiram-Seite

Und was sagt der SoH zu seinem Referenten?


„Dr. Andreas Ludwig Kalcker ist ein Gründungsmitglied der Organisation „Earth-Help-Project“, die sich darauf konzentriert, der dritten Welt mit alternativen Energien, Wasser und Gesundheit zu helfen. Andreas Kalcker arbeitete in den 90er Jahren im Zentrum für neue Technologien in Barcelona. Nach den Wirtschaftswissenschaften wandte er sich später der Biophysik und alternativer Gesundheit zu. Die Entdeckung des pH-neutralen CDS, welches Möglichkeiten jenseits der konventionellen Medizin bietet, führte ihn schließlich zusammen mit Kerri Rivera zu der Entwicklung einer hochwirksamen Therapie für Autisten, mit der bisher 119 autistische Kinder vom regressiven Autismus komplett geheilt wurden. In 2013 präsentierte er auf der weltweit größten Autismus-Konferenz, der „AutismOne“ in Chicago, das Konzept der parasitären Vaccinose. Toxine von Parasiten gelten in diesem als die Ursache für die Symptome, der als regressiver Autismus bekannten Krankheit.“
Nebenbei kann man auch direkt auf dieser Seite eine halbstündige Privataudienz buchen. Is ja klar, man muss einem von Jim Humbles Freunden ja die Möglichkeit geben, sich ausreichend zu profilieren.

In seiner Kurzbiografie liest man, dass er pH-Neutrale CDS entdeckt haben soll. CDS steht hierbei für „Chlorine dioxine solution“ die also pH-Neutral sein soll. Außerdem wird dort mal wieder propagiert, dass MMS nur die bösen Eindringlinge im Körper schädigt, aber den guten Zellen nichts antut. Es ist wirklich beeindruckend, was Chlordioxid so alles kann.

Dabei ist Chlordioxid für gewöhnlich einfach nur ein reizendes, giftiges Gas, das als Radikal ziemlich reaktionsfreudig und damit ab gewissen Konzentrationen von mindestens 10 Volumenprozent an der Luft hochexplosiv ist. Als Oxidationsmittel ist es in der Lage, Elektronen aufzunehmen, was sie besonders als Bleichmittel begehrt macht. Für die CDS, hat man es vermutlich in Wasser aufgelöst und in Tablettenform gepresst, sodass man es nur noch in Wasser geben und darin auflösen muss. Schade, dass sie dabei nicht mit Homöopathen zusammengearbeitet haben, dann wären sie wenigstens doppelt verarscht worden und man könnte damit keine Kinder mehr vergiften.

Während MMS eigentlich als Natriumchlorit plus Säureaktivator bekannt ist, erwähne ich einfach am Rande mal die Tatsache, dass Chlordioxid das Reaktionsprodukt dieses Vorgangs ist, was heißen soll, dass man jetzt eine Art Direkt-MMS verkauft. Einfach die Tablette ins Wasser schmeißen und man spart sich den lästigen Umgang mit Natriumchlorit und einer Säure. Die Wirkung ist natürlich analog zu MMS. Diese Wirkung beruht allerdings auf der Tatsache, dass es ein Oxidationsmittel ist. Es nimmt also, wie bereits erwähnt, Elektronen von anderen Stoffen auf. Das sorgt in erster Linie für die wirklich überragende Wirkung als Desinfektionsmittel und hat mit dem pH-Wert nichts zu tun. Im Gegenteil. Möchte man verhindern, dass sich die Chlordioxid-Tablette im Wasser zeitnah zu Chlorid oder Chlorat umwandelt, ist es ratsam, keine basische Flüssigkeit zu verwenden und sie von Licht fern zu halten, das ebenfalls diese Reaktion beschleunigt.
Beträgt die Temperatur der Lösung mehr als 11° Celsius, so bilden sich Chlordioxiddämpfe, bei beim Einatmen tödlich sein können. Leider wohl nicht tödlich genug, wenn MMS wirklich noch so viele Abnehmer findet.
Bei all der Kritik muss man Chlordioxid eins lassen: Es wirkt. Es ist ein astreines Desinfektionsmittel, das wirksam wirklich alles abtöten kann. Was es allerdings nicht kann, ist zwischen gefährlichen und guten Zellen zu unterscheiden. Es tötet einfach alles.

Und jetzt behauptet unser Referent auch noch, mit diesem Mittel Autismus heilen zu können, das von einem Parasiten verursacht wird. Parasiten und MMS scheinen ja gerade wirklich DER Trend in der Eso-Szene zu sein. Bleibt nur zu hoffen, dass die Besucher des Kongresses keine autistischen Kinder haben. Oder dass zumindest ein paar Leute vom Jugendamt mit von der Partie sind, die den Eltern sofort die Kinder wegnehmen.

Man wird ja nochmal hoffen dürfen…

Ähnlich bei den Texten über Krebs habe ich mich auch hier nicht eingehend mit der Krankheit (in diesem Fall mit Autismus) beschäftigt, um nicht noch mehr Assoziationen zwischen MMS und Autismus zu wecken. Über beide Themen werde ich allerdings noch gesonderte Texte veröffentlichen.

14 Kommentare zu “Wirkungslose) Alternativen Spezial – Behandlungserfolge & Eigentherapie mit Chlordioxid

    1. Alternative Gesundheit muss in erster Linie natürlich sein. Bloß keine Medikamente, oder Lebensmittelzusätze. Wenn man mal krank wird, darf man natürlich nur Dinge einnehmen, die nicht von der bösen Pharma-Industrie kommen, sondern „natürlich“ entstanden sind. Alternativ hört man natürlich auf den Hauseigenen Homöopathen und nimmt alles ein, was der einem verschreibt. Selbst wenn es Chlorbleiche ist

      1. Und um alternativ gesund zu sein, kauft man natürlich eine ganze Menge Nahrungsergänzungsmittel … Weil das ist voll natürlich. Oder so.

        1. Klar. Alternative Gesundheit = Alternative Natur. Hauptsache die Böse Pharma-Industrie hatte die Finger nicht im Spiel. Dann kann man sogar Dreck futtern.

  1. Wenn ich gesund bin, nehme ich auch keine Medikamente.

    Wenn die Leute Bleiche und Zucker als Medizin einnehmen, vielleicht haben sie „alternative Krankheiten“ und nicht nur eine „alternative Gesundheit“. Sie sollten mal zu echten Ärzten gehen, um die Krankheit diagnostizieren zu lassen. 🙂
    Ein Teufelskreis, weil sie den richtigen Ärzten nicht vertrauen.

    Die ganzen Gurus von der Messe bekommen das erstaunlich gut hin die Leute gegen Pharma und Ärzte auszurichten.

  2. Wenn es nur die Esoteriker selbst wären, die ihre Mittel schlucken, wäre die Welt ja eigentlich in Ordnung. Das Problem ist die Mundpropaganda nach dem Motto: „Versuch doch mal was vom Homöopathen. Das heilt sanft und ohne die böse Chemie“. Aber noch viel schlimmer sind die Menschen, die ihren Kindern sowas wie MMS einflößen und die Wesensänderungen der Kinder als Heilung annehmen. Dabei verändern die Kinder nur ihr Verhalten, weil sie den Einlauf mit Chlorbleiche eher als Bestrafung ansehen und ihr bestes tun, um sowas nicht nochmal erleiden zu müssen

    Ich glaube, die Gurus müssen da gar nicht so viel ausrichten. Deren Behauptungen fallen ja schon auf fruchtbaren Boden.

  3. Die Autismusgeschichte – die ich auch kritisch sehe – mal außen vor, hat mir MMS mal bei einer chronischen Kieferentzündung sehr geholfen, nachdem die übliche schulmedizinische Behandlung (Antbiotika und OPs) nicht half. Vermutliche oxidierte es die anaeroben Bakterien im Kiefer und ist offenbar auch besser knochengängig als ABs. Das es auch gute Sachen im Körper vernichtet, glaube ich auch, aber das machen Antibiotika ja auch.
    Schade, daß hier (nach einer nur oberflächlichen Sichtung) so wenig Erfahrungsberichte stehen und die Artikel so voreingenommen und wenig qualifiziert sind.

    1. Tja, das ist das große Problem mit Erfahrungsberichten. Wissenschaftlich sind sie vollkommen irrelevant, da sie absolut nichts aussagen. Man müsste eine Studie anlegen, um die Wirksamkeit zu beweisen. Da man dafür aber einer Gruppe von Menschen Chlorbleiche einführen müsste, wird es solche Studien – zu recht – nicht geben.
      Ich werde Sie weder davon abhalten können, das Mittel zu nehmen, noch werde ich Sie überzeugen können, dass Sie sich damit mehr schaden als nutzen. Aber bitte tun Sie mir ’nen Gefallen und bieten Ihrem Umkreis niemals an, das Mittel mal zu probieren

  4. Danke für die schnelle Antwort und die Veröffentlichung meines Beitrags!
    MMS brauche ich nicht mehr einzunehmen, denn der Kiefer ist seit mehreren Jahren ruhig und sieht auch auf dem Röntgenbild normal aus. Von einer Dauermedikation war nicht die Rede.
    Es ist mir jedoch unverständlich, warum dieses Mittel so verteufelt wird – z.B vom Bundesinstitut für Risikobewertung – obwohl die Kritiker weder eigene Erfahrungen damit machten noch Studien vorliegen. Rizole wirken m.W. ähnlich, sind aber viel verbreiteter und werden z.T. auch in Apotheken verkauft.
    Warum ist MMS Ihrer Meinung nach per se schädlich?
    Mit den Studien ist das auch so eine Sache. Doppelblinde, placebokontrollierte Studien können sich ja nur große Pharmaunternehmen leisten, die haben aber natürlich an einer MMS- Studie kein Interesse. Auch sind die Studien dieser Pharmaunternehmen mit Vorsicht zu genießen, aber das wissen Sie besser als ich.
    Wissenschaftlich betrachtet, sind Erfahrungsberichte nicht viel wert, aber wenn ich viele verschiedene positive Berichte lesen und nur wenige negative, lohnt es sich vielleicht, dem nachzugehen.
    Wenn in meinem Umfeld jemand krank wäre, würde ich demjenigen zunächst ermuntern, zu Ärzten zu gehen. Wenn dabei nichts rauskommt und das Krankheitsbild vermuten ließe, MMS könne helfen, würde ich ihm von dieser Möglichkeit berichten und ihm naheliegen, sich selbst zu informieren und zu entscheiden. Das finde ich verantwortungsbewußt.
    Ein schönes Wochenende noch!

    1. Erstmal, meine Glückwünsche, dass Sie (hoffentlich) krankheitsfrei durch’s Leben gehen. Nun erlauben Sie aber eine kleine Gegenfrage: Haben Sie Antibiotika und MMS irgendwann zeitgleich eingenommen, oder kurz vor der Einnahme von MMS die Antibiotika abgesetzt?

      Rizole funktionieren ähnlich, es sind ebenfalls Wasserstoffperoxide, also quasi MMS nur in anderer Zubereitung. Deswegen lässt sich die Schädlichkeit beider Produkte gleichermaßen beschreiben:

      Es ist Chlorbleiche. Das Zeug kann man wunderbar als Desinfektionsmittel verwenden, weil es jegliche Form von Gewebe wegätzt. Ich wüsste nicht, wie ich die Schädlichkeit des Stoffes noch deutlicher beschreiben sollte. Die chemische Wirkung habe ich ja im Text bereits versucht zu erklären.
      Und selbst wenn ein Unternehmen oder eine öffentliche Einrichtung Interesse daran hätte, eine Studie durchzuführen, wäre das nicht möglich, da man damit gegen geltendes Recht verstoßen würde. Leuten (auch wissentlich) ein Bleichmittel einzuflößen, ist Körperverletzung und damit Strafbar.

      Der andere Grund, warum kein großes Unternehmen eine Studie dazu publiziert, ist folgender: Die Beweislast liegt immer bei den Personen, die Behaupten, ein Stoff besäße eine gewünschte Wirkung. Das heißt, es wäre an Jim Humble – dem Erfinder von MMS – eine rundum wissenschaftliche Studie vorzulegen, in der er klarstellt, dass Chlorbleiche nach seiner Rezeptur im Körper eine positive Wirkung nachweist, die eventuelle Nebenwirkungen vertretbar macht.
      Und dann gilt es, diese Studie nach den selben Kriterien zu bewerten, die man auch bei großen pharmazeutischen Studien an den Tag legt.
      Aber auch Jim Humble weiß, dass sein Mittel so einer Studie nicht standhalten würde, da man die chemischen Eigenschaften dieser Chlorbleiche genauestens kennt und weiß, was dieser Stoff im Körper anrichtet.

      Und was Erfahrungsberichte betrifft, hier sind einige Berichte von Personen, die so gar nicht zufrieden mit MMS sind.
      Die Vielzahl positiver Erfahrungsberichte lässt sich mit vielen Faktoren erklären. Auf den Hauseigenen Seiten der Vertreter von MMS liegt der Gedankengang nahe, dass man negative Berichte einfach zensiert. Menschen nehmen das Mittel bei Krankheiten ein, die auch von selbst verschwunden wären und rechnen dieses Verschwinden dem Wirken von MMS an, wobei dann die Nebenwirkungen ignoriert oder als Wirksamkeitsnachweis betrachtet werden.

      Sich selbst zu informieren ist auch so eine Sache. In diesem Fall wäre eine richtige Information nur möglich, wenn man grundlegende Kenntnisse der Chemie besitzt und sich so erklären kann, wie MMS mit anderen Molekülen wechselwirkt. Solange dieses Wissen nicht vorhanden ist, beläuft sich dieses „Informieren“ meines Erachtens nach ausschließlich darauf, sich beide Seiten anzuschauen und dann die zu nehmen, die hübscher klingt.
      Aber um meine Aussage mal aus dem Gesundheitswesen herauszuziehen, gehen wir mal davon aus, wir beide besäßen ein Auto und es hätte einen (für uns unerklärlichen) Defekt. Nun fahren wir beide unabhängig voneinander zu zwei unterschiedlichen Mechanikern und lassen das Auto checken. Abends sitzen wir zusammen und haben zwei völlig unterschiedliche Gutachten vorliegen, was an dem Auto kaputt ist. Jetzt müssten wir uns für eine Seite entscheiden, haben aber weder Ahnung von Autos, noch davon was unserem fehlt. Um jetzt die Entscheidung zu treffen, die unser Auto wieder funktionsfähig werden lässt, müssten wir zumindest eine rudimentäre Ahnung von Autos haben, um den Fehler eingrenzen zu können und den Mechaniker zu wählen, der unser Auto wieder repariert, sodass wir noch lange Freude daran haben.
      Ohne dieses Wissen bleibt uns aber nur übrig, den Mechaniker zu wählen, der uns sympathischer erscheint – das hat dann ein bisschen was von Roulette.

      Ihnen ebenfalls noch ein schönes Wochenende.

  5. Danke nochmal für die Antwort. Es ist auf jeden Fall positiv zu werten, dass Sie auch meine abweichende Meinung bzw. Erfahrungen veröffentlichen.
    Aber bitte hören Sie auf von „Chlorbleiche“ zu reden, Chlorbleiche ist Natriumhypochlorit (NaClO), der wirksame Teil von MMS ist Chlordioxid, ClO2. Rizole sind erst recht keine Chlorbleiche, denn sie enthalten gar kein Chlor, sondern ozonisiertes Oliven-/Rizinusöl plus verschiedene ätherische Öle.
    „MMS ätzt das Gewebe weg“: Wie so oft, macht auch hier die Dosis das Gift. Man muß sehr vorsichtig dosieren und sollte, wenn nötig, nur langsam und vorsichtig steigern. Es gibt auch Leute, die MMS-Bäder nehmen oder Mundspülungen, ohne das die nun total verätzt werden, vgl. mms-selbsthilfe.de für (durchaus unterschiedlich ausfallende) Erfahrungsberichte. Psiram ist keine unvoreingenommene Quelle, das wissen wir doch beide. Die „hauseigenen“ MMS-Seiten auch nicht, das gebe ich gerne zu. Schädlich ist MMS für Menschen prinzipiell auch, aber wenn der Nutzen den Schaden übersteigt, ist es akzeptabel. Schulmedizinische Medikamente haben auch Nebenwirkungen und können schaden. Vielleicht schadet halt MMS diversen Erregern mehr als dem Menschen: „Es ist erstaunlich, dass höhere Organismen sehr unempfindlich gegen Chlordioxid sind.“ Vgl. http://www.chemie.de/lexikon/chlordioxid.html
    Wenn man nur Mittelchen nehmen würde, deren Wirkungsweise genauestens bekannt und verstanden ist, dürfte man auch viele schulmedizinische Medikamente nicht nehmen – und das wissen Sie auch! Die Wirkung von MMS würde ich auch nicht als „Wegätzen“ sondern als „Oxidation“ beschreiben. Das Chlordioxid-Molekül ist chemisch instabil und daher sehr reaktionsfreudig, so habe ich es verstanden. So kann es etwa einem anaeroben Bakterium ein Elektron entreißen – und das sieht dann ziemlich alt aus (es stirbt). Was es sonst noch im Körper anrichtet, weiß man nicht genau, das ist richtig. Allerdings zerfällt es schnell, es ist ja chemisch instabil.
    Noch zu Ihrer Frage: Nein, die Heilung meiner Kieferentzündung ist nicht auf die Antibiose (hatte Clindamycin und Amoxicillin) zurückzuführen, sondern auf das MMS.
    Gleich nach der Einnahme (in ein paar Minuten) konnte ich die Wirkung spüren, z.B. als Kribbeln genau an der Kieferstelle, wo die Entzündung war. Die Antibiotika hatte ich wochenlang genommen – ohne Erfolg. Vielleicht hätten sie i.V. geholfen, aber das wurde mir nicht angeboten. Prinzipiell sind ja Antibiotika sehr potente Medikamente, die Schwierigkeit ist aber im Kiefer (Knochen = schlecht durchblutet) einen entsprechenden Wirkspiegel zu erreichen.
    Soviel erstmal dazu.

    1. Dann gehen wir mal ein wenig mehr ins Detail:
      Chlordioxid ist ebenfalls ein Bleichmittel, das ähnliche Anwendungsgebiete findet, wie das von Ihnen angesprochene Natriumhypochlorit. In Rizolen befindet sich ebenfalls ein Bleichmittel, nämlich Wasserstoffperoxid. Es entsteht, wenn man Ozon in Wasser leitet, was bei der Herstellung des Öls passiert. Dieses Öl enthält tatsächlich kein Chlor, funktioniert aber dennoch ähnlich.
      Bei der Verwendung von MMS gibt es noch eine Kleinigkeit, die man erwähnen muss: Da Chlordioxid so reaktionsfreudig ist, reicht schon die Einwirkung von UV-Strahlen, um das Mittel in Chlorit und Chlorat aufzuspalten, die beide noch giftiger sind, als das Chlordioxid.
      Der Unterschied zu einem richtigen Medikament besteht auch darin, dass das Produkt nicht fertig dosiert geliefert wird, sondern die Herstellung mittels des „zwei Komponenten Systems“ jedem selbst überlassen wird, es also keine Kontrolle über die Konzentration des Chlordioxids gibt.

      Nun stellt sich die Frage, welcher Nutzen von der Einnahme des MMS erwartet wird. Die Geschichte von der Heilung des Autismus haben wir ja schon durch, Jim Humble und seine Fans erklären aber auf ihren Websites auch, dass der Stoff Ebola , Masern- Herpes- und Influenzaviren, HIV, Krebs, Diabetes heilen kann. Es ist also quasi DAS Allerheilmittel, auch noch ohne Nebenwirkungen. Wirkungsnachweise bleiben sie allerdings schuldig und die ganzen Erfahrungsberichte zählen eben genau nicht als solche. Und da kein Nutzen nachgewiesen ist, bleiben nur noch die Schäden die dadurch entstehen können.
      Diese Schäden sind in erster Linie die typischen Verätzungen im Mund- und Rachenbereich, sowie im Darm, die man erwarten würde, da der Stoff ausschließlich auf diesen Schleimhäuten wirken kann. Es wird ja auch explizit damit geworben, den Stoff zu trinken (also über den Mund und Rachen in den Magen zu befördern, wo er dann mit der Magensäure reagiert) oder als Einlauf einzunehmen (was die Verätzungen des Darms erklärt). Eine andere Wirkung kann der Stoff gar nicht entfalten, da er – anders als richtige Medikamente – nicht weiter in den Körper vordringt.
      Aber Jim Humble ist ja ein cleveres Kerlchen, der hat dafür auch eine Erklärung. Zitat:

      „Gibt man zu viele Tropfen MMS und hält sich nicht an die Empfehlungen, tritt Unwohlsein auf, daran Schuld sind die zerstörten Viren, Bakterien und Pilze, die befinden sich überall im Körper und die müssen wegschaffet werden.“

      Das einzige was zerstört wird, ist empfindliches Gewebe des menschlichen Verdauungstraktes, was auch ziemlich gut erklärt, wieso man sich im Anschluss an die Therapie gerne mal schlecht fühlt – da hätten wir auch den Grund, wieso so wenige ihre negativen Erfahrungen veröffentlichen. Sie werden als Erfolge wahrgenommen.
      Und man weiß wirklich sehr genau, was Chlordioxid im Menschen anstellt. Daher kommt ja auch die Empfehlung, dass man kein Bleichmittel trinken soll.

      Und jetzt müssen wir noch über den fundamentalen Unterschied zwischen MMS und Medikamenten reden. Bei der Entwicklung von Medikamenten wird ein Wirkstoff designed, der in den Körper aufgenommen wird und dort möglichst spezifisch wirkt. Das heißt, das Medikament wirkt erst am gewünschten Ziel, zerstört also den Krankheitserreger ohne den Körper übermäßig in Mitleidenschaft zu ziehen. Um solche Medikamente herzustellen, gibt es in der Pharmazie einen eigenen Fachbereich, den der Pharmakokinetik, während die Pharmakodynamik sich damit auseinandersetzt, wie der Stoff im Körper wirkt.
      MMS kann – im Gegensatz zu richtiger Medizin – gar nicht weiter im Körper wirken, da es sofort mit dem erstbesten Gewebe reagiert, das es berührt. Die gesamte Wirkung entfaltet sich also im Mund, Rachen und oder Darm. Dabei wird das Gewebe verätzt, also chemisch zerstört (was auf die Reaktion mit Sauerstoff zurückzuführen ist) – oder, um es korrekt auszudrücken – es wird oxidiert. Die Wirkung von Bleichmittel, die Entstehung von Rost und (in diesem Fall) auch das Verätzen von Gewebe ist auf den Vorgang der Oxidation zurückzuführen.
      Wenn MMS jetzt also geschluckt wird, reagiert der Stoff so lange mit den Schleimhäuten, bis er im Magen landet und reagiert dort mit der Magensäure, bzw. dem, was da sonst gerade noch drin ist. Dabei wird aber nichts in den Körper aufgenommen, geschweigedenn irgendwo im Körper verteilt, um Viren oder Bakterien zu schädigen.
      Und selbst wenn man es z.B. direkt in einen Tumor injiziert, wirkt MMS auf die Tumorzellen nicht anders, als auf alle anderen Zellen drum herum. Es reißt jedem gleichermaßen die Elektronen raus und macht eben keinen Unterschied zwischen menschlichen Zellen, Bakterien, Viren usw.

      Dass Sie nach der Einnahme von MMS ein Kribbeln verspürt haben, wundert mich nicht. Aber würden Sie wirklich, mit einer Sicherheit von 100% sagen, dass die Heilung Ihrer Krankheit wirklich ausschließlich auf MMS zurückzuführen ist und dass ausgeschlossen werden kann, dass die Antibiotika ihren Anteil an dem Heilerfolg haben?

  6. Hallo,
    danke nochmal für die Antwort. Bitte geben Sie doch die von Ihnen verwendeten Quellen an.
    Also, ich würde zu 99% sagen, dass die Heilung auf MMS zurückzuführen ist. Antibiotika hatte ich ja schon wochenlang vorher genommen – ohne Erfolg.
    Meiner Kenntnis nach wird das ClO2 von den roten Blutkörperchen in den gesamten Körper transportiert. Vgl. http://www.sein.de/die-akte-mms (hab auf die Schnelle keine bessere Quelle gefunden, zumindest scheint der Artikel gut recherchiert zu sein und verweist auf andere Quellen, von Aussagen wie das MMS nur Pathogene angreift und „gute“ Bakterien verschont, distanziere ich mich ohne es zu wissen, es kommt mir nur unglaubwürdig vor). Nur so läßt sich, die Wirkung im Kiefer erklären – es kribbelte ja genau an der Stelle, wo die Entzündung war. Das läßt sich ja ganz gut von Nebenwirkungen im Magen-Darm-Trakt unterscheiden.
    Ich könnte noch viel zu MMS schrieben, lasse das aber. Es ging mir nur darum, meine Erfahrungen zu schildern. Hätte die Schulmedizin mir geholfen, hätte ich es nicht ausprobiert. Das ich es bereue, kann ich nicht sagen – im Gegenteil war ich heilfroh, diese Entzündung los zu sein. Ich hoffe, Sie kommen niemals in so eine Situation und lassen meinen Erfahrungsbericht hier so stehen. Vermutlich werden ihn eh nicht viele lesen.
    Noch zwei Studien, zur orale Chlordioxid-Einnahme – nicht schlimmes passierte:
    http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1569027/pdf/envhper00463-0059
    http://www.who.int/ipcs/publications/cicad/en/cicad37.pdf
    Wenn es dieselbe Studie, nur zwei verschiedene Veröffentlichungen sein sollte, entschuldige ich mich (so ganz genau habe ich das jetzt nicht alles durchgelesen). Sie sehen aber, ClO2 wurde an Menschen getestet. Es wird ja auch zur Wasseraufbereitung verwendet?
    Was die ach so zielgenauen schulmedizinischen Medikamente betrifft, kann ich mir nicht verkneifen anzumerken, dass
    – Antibiotika auch nicht nur gegen die Krankheitserreger wirken, sondern auch nützliche Darmbakterien zerstören (besonders bei der oralen Aufnahme)
    – Krebsmedikamente wirken auch gegen nicht pathogene Zellen im Körper. Chemotherapeutika zerstören bevorzugt sich schnell teilende Zellen, dass können aber auch Haut- oder Blutzellen sein. Eine Nebenwirkung von Krebsmedikamenten kann z.B. sein, dass sie Krebs erzeugen (Jahre später).
    Das heißt ja nicht, dass Chemotherapeutika nicht insgesamt mehr nutzen als schaden, aber dass alternativmedizinische Therapien (nicht alle) richtig angewandt nicht vielleicht auch nutzen könnten. Es ist nicht alles schwarz-weiß.
    Wenn Sie noch Fragen haben, gerne, sonst können wir das auch erstmal so lassen,ich habe nicht den Ehrgeiz, Sie zu überzeugen und umgekehrt werden Sie mir nicht einreden können, dass die Heilung meiner Kieferentzündung nicht auf MMS zurückzuführen ist.

  7. Quellen gebe ich sehr gerne an.
    Oxidation als Synonym für Bleichen und Rosten:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Rost
    https://de.wikipedia.org/wiki/Bleichen#Oxidative_Bleiche
    Und zur Wirkung von Chlordioxid beginnen wir mal hiermit und gehen gleich weiter unten mehr ins Detail:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Chlordioxid#Toxikologie

    Ohne Sie jetzt von irgendwas überzeugen zu wollen, möchte ich doch noch die Überlegung anstoßen, ob die Antibiotika vielleicht einfach nur erst dann ihre Wirkung entfaltet haben, als Sie schon zum MMS griffen? Und dass ihr Kiefer davon gekribbelt hat, glaube ich gerne. Das dürfte ihr -ohnehin schon gereiztes- Gewebe gewesen sein, das ihnen mitgeteilt hat, dass sich in der Lösung ordnungsgemäß MMS befunden hat.

    Es scheint ein kleines Missverständnis zu meiner Aussage bezüglich der Aufnahme von Chlordioxid zu geben. Vermutlich war der Absatz hier schuld:

    Dabei wird aber nichts in den Körper aufgenommen, geschweigedenn irgendwo im Körper verteilt, um Viren oder Bakterien zu schädigen.

    Da habe ich mich ungenau ausgedrückt, erlauben Sie mir, mich zu korrigieren:
    Die Aussage bezog sich darauf, dass das Chlor im Körper nicht gezielt verteilt wird, um Schädlinge zu vernichten, was auch wunderbar aus Ihren Quellen hervorgeht.
    In dieser hier zeigt die WHO wunderbar auf, dass die Einnahme von Chlordioxid sowohl als Gas, als auch als Lösung toxisch ist.
    In Ihrer zweiten Studie ging es um die Trinkwasserdesinfizierung mit Chlordioxid. Dabei wurden Probanden 0.5mg/L verabreicht, das entspricht einem Liter Wasser mit 0,00005% Chlordioxid. Bei MMS müsste ( bei der Einnahme einer 28%-Lösung) wohl eine Dosis von rund 0.1% vorliegen, also knapp die 1.000-fache Dosis. Nageln Sie mich nicht auf der Rechnung fest, das war nur ein grober Überschlag, davon ausgehend, dass die Lösung mit 100mL Flüssigkeit eingenommen wird.

    Deswegen wurden auch keine Studien zur Wirkung von Chlordioxid in der gleichen Konzentration wie bei der Einnahme von MMS vorgenommen.
    Außerdem besteht ein gewaltiger Unterschied zwischen der Trinkwasserdesinfizierung und der direkten, oralen Aufnahme. Zum einen, weil der Grenzwert für Chlordioxid in deutschem Trinkwasser bei 0,00002% pro Liter liegt und viele Aufbereitungsanlagen schon lange auf andere Möglichkeiten der Reinigung umgestiegen sind (z.B. die Behandlung mit UV-Licht). Bei der Zubereitung von MMS entsteht bereits Chlordioxid in gasförmiger Form (was nach einer Ihrer oben genannten Studien noch schneller letal ist, als eine Chlordioxidlösung), welches von den Anwendern eingeatmet wird. Ebenfalls entsteht schon bei der Zubereitung aus dem Chlordioxid Chlorit und Chlorat, welches giftiger ist als das Chlordioxid. Die Einwirkung von Sonnenlicht und Wärme beschleunigen diesen Prozess noch weiter.

    Medikamente sind nicht frei von Nebenwirkungen, das ist korrekt. Aber während bei modernen Antibiotika gezielt Schlüsselproteine auf Bakterien angesteuert werden, die auf den restlichen Bakterien im menschlichen Körper nur sporadisch vorhanden sind, räumt MMS einfach alles ab und schädigt in erster Linie die Zellen, die es eigentlich in Ruhe lassen sollte (einfach weil von denen mehr im menschlichen Körper sind).

    Krebsmedikamente waren früher ebenfalls nicht gerade ein Spaziergang durch den Park, aus diesem Grund läuft die Entwicklung von besseren Medikamenten auf Hochtouren und erstreckt sich durch jeden halbwegs versprechenden Bereich der Medizin. Von Bestrahlung über die herkömmliche Chemotherapie, Immuntherapien bis hin zur gezielten Krebstherapie, die sich ausschließlich gegen Tumorzellen richtet, wird alles versucht, um die Überlebenschancen der Patienten zu verbessern. Dabei achtet man aber immer darauf, ob eine gezielte Wirkung nachzuweisen ist und versucht, die Therapien immer weiter zu verbessern. Deshalb hat man mittlerweile ein ganzes Magazin an vielversprechenden Therapien gegen bestimmte Krebsformen.
    All das leistet ein Alternativheiler wie Jim Humble nicht. Es gibt jede Menge Nachfolgeprodukte von MMS, die alle sicherlich noch besser darin sind, Chlordioxid zu produzieren. Aber eine Sache bleibt er seit Jahren schuldig: Einen klaren Nachweis für die gezielte Wirkung von Chlordioxid. Bei richtigen Medikamenten ist klar definiert, bei welchem Krankheitsbild eine Linderung zu erwarten ist und welche Nebenwirkungen man dafür in Kauf nehmen muss. Bei MMS wird behauptet, dass es alles heilt und die Erklärung dafür ist schon auf rein biologischer Ebene vollkommen falsch. Und so geht es allen alternativen Heilern. Dementsprechend sehe ich in der Alternativmedizin keine Berechtigung, da alles was diese leistet, von einem Modernen Gesundheitssystem ebenfalls zu leisten wäre. Unsere Politik müsste lediglich den Willen haben, Geld für diese Leistungen aufzubringen.

    Eigentlich hatte ich nicht das Gefühl, dass wir versuchen, unser Gegenüber von etwas zu überzeugen. Bisher sah ich diese Diskussion hier (im Gegensatz zu vielen anderen Diskussionen mit Anwendern der Alternativmedizin) als einen angenehmen Austausch von Argumenten. Und mich persönlich haben Ihre Beiträge durchaus zum nachdenken angeregt.
    Dann bleibt mir um Schluss eigentlich nur, Ihnen allzeit beste Gesundheit zu wünschen und zu hoffen, dass sie – falls dieser Wunsch nicht in Erfüllung geht – beim nächsten Mal der Schulmedizin eine weitere Chance (und ein wenig mehr Zeit) einräumen. Vielleicht werden Sie ja positiv überrascht.

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