(Wirkungslose) Alternativen Spezial – Krebstherapie mit Natriumcarbonat

Prof. Tullio Simoncini ist der grandiose Name unseres nächsten Referenten. Wie es sich für gute SoH-Referenten gehört, besitzt er natürlich ebenfalls eine Psiram-Seite.

Seine SoH-Kurzbiografie sagt folgendes über ihn

„Prof. Tullio Simoncini lebt und arbeitet in Rom. Er ist Arzt, Chirurg und promovierte zusätzlich in Philosophie. Tullio Simoncini spezialisierte sich auf Onkologie, Diabetologie und Stoffwechselstörungen. Nach vielen Jahren der Untersuchungen kam er zu der Erkenntnis, dass bestimmte Arten von Krebs auf einer Infektionskrankheit – einer Pilz-Belastung des Organismus – beruhen. Prof. Simoncini hält Vorträge auf medizinischen Kongressen um darzulegen, was an den herkömmlichen Krebstheorien nicht stimmt und vermittelt seine Erfahrungen und Ansätze für eine effektive Krebsbehandlung. Natron ist ein einfaches Hausmittel und hochwirksames Antifungizid. An vielen Fallstudien, in denen Patienten mit Natriumhydrogencarbonat geheilt wurden, belegt er seine Pilztheorie.
Sein Buch „Krebs ist ein Pilz: Eine Revolution in der Behandlung von Tumoren“, ist auf Italienisch, Holländisch, Englisch und Deutsch erhältlich.“

Lustig, wenn das Buch noch auf brasilianisch veröffentlicht wird, klingt das ein bisschen so, wie unsere WM letztes Jahr. (Ja, ich weiß, in Brasilien spricht man portugiesisch, aber so klappt mein Witz leider nicht)
Von den Referenten des heutigen Tages ist er bisher die Krönung. Und das ist bei dieser Konkurrenz wirklich erstaunlich. Noch erstaunlicher ist aber, dass man ihn auf der Seite als Arzt und Chirurg betitelt. Dank seiner beknackten Heilmethode sind Menschen gestorben und er wurde in Italien wegen Todschlags verurteilt, was den Entzug seiner Approbation mit sich brachte.
Er behandelt also Krebs mit Natriumcarbonat. Natriumcarbonat ist ein Begriff, der mir durchaus was sagt, aber ich denke ernsthaft, ich hätte ihn verwechselt. Ich google den Begriff und bekomme meine Vermutung bestätigt: Natriumcarbonat ist Backpulver. Backpulver. Der Kram, der in Kuchen reinkommt. Backpulver. Damit will er Krebs heilen. Mit Backpulver.

Die Idee, Krebs mit Backpulver zu behandeln ist ja schon Schwachsinnig. Aber es geht noch ‚ne Spur bekloppter. Immerhin ist der Spirit of Health ja ein großer Kongress, da muss man die schweren Geschütze auffahren! Simonici ist der Meinung, bestimmte Formen von Krebs werden durch einen Pilz verursacht. Krebs. Ein Pilz. Und den heilt er mit Backpulver. Den Krebspilz. Backpulver.

Heiliger… wie soll ich das eigentlich bis Sonntag durchstehen?

Ich stell mir gerade vor, wie es in seiner Brechstunde abgeht (oder besser, wie es in ihr abgegangen ist. Denn praktizieren darf dieser Arzt ja nicht mehr):
„Ja, Fräulein Hasenbums-Myrrheköttel, ich weiß nicht, wie ich ihnen das sagen soll, aber sie haben eine ziemlich fiese Pilzinfektion, nämlich Krebs. Aber machen sie sich keine Sorgen, wir tun ein bisschen Backpulver drauf, dann geht’s wieder.“

Der Pilz, der Krebs auslösen soll, heißt „Candida albicans“. Kommt das noch jemandem erschreckend bekannt vor? Bei der Infopathietherapie kommen die auf die Idee, der Pilz würde mutieren und den Körper vergiften. In Italien löst der Pilz anscheinend also auch noch Krebs aus. Was für ein fleißiger, kleiner Drecksack dieser Pilz doch ist.
Als Beweis für die Richtigkeit dieser Idee führt Simonici natürlich wissenschaftliche Studien an. Leider finde ich nicht eine zu diesem Thema. Ich habe zwar nur oberflächlich gesucht, aber ich vermute, selbst bei intensiver Suche finde ich nix.
Jedenfalls behauptet Simonici, man könne den Pilz beseitigen, indem man dem Körper eine Infusion mit Natriumhydrogencarbonat verpasst. Also mit Natron. Die erste arme Sau, die er so behandelt hat, hatte Darmkrebs im Endstadium. Nach der Infusion erlitt er eine Darmperforation und starb. Was für eine tolle Heilmethode.
Natron hat viele großartige Eigenschaften, aber Krebsheilung gehört definitiv nicht dazu.
Natron wird z.B. von den Epithelzellen innerhalb der Magenwand abgegeben, die sich dadurch vor der Magensäure (mit einem pH-Wert von 1-1,5) schützen. Natron und die Magensäure reagieren miteinander und bilden als Reaktionsprodukte Kohlenstoffdioxid und Wasser. Ein paar Zentimeter weiter pumpt die Bauchspeicheldrüse ein Natronhaltiges Sekret in den Dünndarm, das dort für eine alkalische Umgebung sorgt.
Und mit dem Ende dieses Vortrages wäre der erste Seminartag geschafft. Ein Wunder. Dabei sind wir heute noch sanft eingestiegen. Die nächsten Tage werden nicht besser. Im Gegenteil. Aber wir halten das durch. Morgen früh sehen wir uns um 9 Uhr in alter Frische und mit neuen Esoterikern wieder.

Ich habe mich hier nicht großartig mit der Entstehung, Erkennung, Behandlung und Prävention von Krebs beschäftigt. Da ich das Thema als sehr wichtig betrachte, will ich mich dazu in extra Texten äußern und vermeiden, Krebs mit dem ganzen Esoterikmüll in Verbindung zu bringen. Außerdem ist die Idee, Krebs mit Backpulver heilen zu wollen so hirnrissig, dass mir irgendwie doch die Worte fehlen.

2 Kommentare zu “(Wirkungslose) Alternativen Spezial – Krebstherapie mit Natriumcarbonat

    1. Wenn er den Rekord noch nicht gebrochen hat, ist er auf jeden Fall extrem nah dran. Aber er muss sich beeilen, die Konkurrenz schläft nämlich nicht. Andere Heiler sind ihm dicht auf den Fersen.

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