(Wirkungslose) Alternativen Spezial – Alternative Medizin in der Praxis

Wie sagte schon Markus Maria Profitlich in seiner Show „Mensch Markus“:

                  Na dann mal Finger aus’m Arsch und los!

Und diesem Ratschlag werden wir folgen und tauchen direkt mit der ersten Referentin in den Spirit of Health Kongress ein!

Die Dame, welche den ersten Vortrag hält, trägt den wundervollen Namen Dr. med. Teresa Forcades i Vila.

Auf der Website des SoH-Kongresses wird folgendes über ihr Leben geschrieben:


„Teresa Forcades i Vila (1966) ist eine medizinische, theologische Benediktiner-Nonne […]. Sie hat einen Master in Theologie mit einer Dissertation über philosophische Untermauerung und die Fallen multikultureller Dialoge […]. Sie ist Doktor der öffentlichen Gesundheitspflege mit einer Dissertation über alternative Medizin (U.Barcelona, 2004), sowie Doktor der Theologie mit einer Studie über die moderne Auffassung von Freiheit durch Selbstbestimmung (Theologie-Fakultät Katalonien 2007). Ihre Veröffentlichungen beinhalten in englischer Sprache: ’Verbrechen und Missbrauch der Pharmaunternehmen’ (Cristianisme i Justícia, Booklet 124, 2006 […].“

Sie scheint im Übrigen nicht nur einen Doktor der öffentlichen Gesundheitspflege, sondern auch einen Doktor in innerer Medizin zu besitzen.
Dazu ist sie noch Theologin und (man merkt es vielleicht) Anhängerin alternativer Behandlungsmethoden. Ach, und sie mag die Pharma-Industrie nicht.

Vielleicht ist das der Grund, warum sie auch eine eigene Psiram-Seite besitzt.

Und ich merke schon, wenn die Esoteriker loslegen, dann aber auch richtig. Wir reden direkt über alternative Medizin in der Praxis. Der Titel lässt ja ziemlich viel Interpretationsspielraum offen. Insbesondere wenn es um das Wort „Praxis“ geht.
Aber ich will nicht vorgreifen, wir arbeiten uns mal in alphabetischer Reihenfolge an dem Titel des Vortrags entlang.

Alternative Medizin. Netter Begriff, nur leider vollkommen falsch. Entweder funktioniert Medizin, dann nennt man sie ‚Medizin‘, oder sie funktioniert nicht, dann nennt man sie ‚Wirkungslos‘. Der Begriff der alternativen Medizin soll ja bekräftigen, dass es sich dabei um Verfahren ‚aus der Natur‘ handelt, die ja nichts mit der Chemie wirklicher Medikamente gemeinsam haben.
An dieser Stelle bringe ich immer gerne das Beispiel von Aspirin an, das ursprünglich aus der Rinde von Weidenbäumen gewonnen wurde (hatte man Schmerzen oder Fieber, hat man tatsächlich einfach die Rinde gegessen), bis irgendwann jemand auf die Idee kam, mal nachzuschauen, welcher Wirkstoff der Rinde denn nun für die schmerzlindernde Wirkung verantwortlich ist und diesen Wirkstoff nicht nur synthetisiert und in Tablettenform gepresst, sondern gleichzeitig auch tausende Weidenbäume vor einem nackten, rindenlosen Leben bewahrt hat. Die Natur ist in so vielen Fällen der Ausgangspunkt pharmakologischer Untersuchungen gewesen, dass es ohne Naturheilkunde keine Moderne Medizin gäbe.

Dennoch ist das natürlich nicht dasselbe. Immerhin wird in der Modernen Medizin ein Wirkstoff ja ‚künstlich‘ hergestellt. Und so eine chemische Reaktion im Labor ist natürlich in keinster Weise mit derselben Reaktion in der Natur vergleichbar. An dieser Stelle sollen sich mal alle Chemielehrer in deutschen Schulen ans Bein getreten fühlen. Ich mache euch einfach mal dafür verantwortlich, dass die Leute keinen Schimmer haben, dass es keinen Unterschied macht, ob Sauerstoff- oder Zuckermoleküle im Labor erzeugt wurden, oder ob man gerade eine Pflanzenzelle dabei beobachtet hat, wie sie diese herstellt. Aber klar, wenn es nicht in Wäldern und Wiesen, zwischen den dichten Kronen erhabener Eichen und Buchen, auf dem Antlitz von Mutter Erde, neben einem Haufen Wildschweinkacke passiert, ist es natürlich unnatürlich und gehört nicht in den menschlichen Körper. Ich werde ja nicht müde zu erwähnen, dass jede chemische Reaktion an jedem möglichen Ort vollkommen natürlich ist. Ansonsten wäre sie nämlich nicht möglich. Zaubern können wir leider nicht (im Gegensatz zum ein oder anderen Esoteriker, aber dazu kommen wir im Verlauf der nächsten Tage noch ausführlicher).

Kommen wir nun mal zur ‚Praxis‘ in der diese ‚alternative Medizin‘ angewendet wird. Und dabei denke ich (warum auch immer) direkt an Homöopathen und möchte an denen auch direkt mal ein Beispiel klar machen:
Wenn die Jungs ihre Zulassung als Homöopath bekommen, hatte keiner von denen auch nur einen Patienten vor sich sitzen. Die komplette Ausbildung beruht auf dem stumpfen Auswendiglernen von verschiedenen Krankheitsbildern und den Möglichkeiten einer eventuellen, konventionellen Behandlung.
Richtige Mediziner haben zum Zeitpunkt ihrer Approbation bereits unzählige Stunden Praxiserfahrung gesammelt und sich gutmöglich darauf vorbereitet, eine Unsumme Patienten zu behandeln, deren Krankheitsbilder in allen möglichen Nuancen vom Lehrbuch abweichen. Und während dieser Vorbereitung hatten sie geübte Lehrer, die ihren praktischen Erfahrungsschatz weiterreichen konnten und nicht nur Seminarleiter, die ihnen irgendwelche Skripte zum Auswendiglernen hingeworfen haben.
Für mehr Details zu dem Thema möchte ich hier auf einen Beitrag von Dr. Norbert Aust, auf seiner Seite Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie verlinken.
Und wer mal eine Prüfung zum Heilpraktier absolvieren möchte, ohne viel Geld auszugeben, der darf nach Lektüre des Textes von Norbert Aust gerne mal die Online-Prüfungen der letzten Jahre ablegen und schauen, ob er sie bestanden hätte.

Nun haben alternative Mediziner trotzdem einen relativ großen Zulauf. Das liegt in erster Linie daran, dass sie ihren Patienten etwas geben können, das im teilweise stressigen Praxisalltag eines Hausarztes nicht drin ist: Viel Zeit und viel Zuwendung.
Das kommt in erster Linie daher, dass die Gebührenordnung für Heilpraktiker um einiges unkomplizierter ist, als die für Ärzte. Während ein Heilpraktiker eigentlich jeden beliebigen Preis mit einem Patienten direkt abrechnen könnte, ist die Gebührenordnung für Ärzte so umfangreich, dass Ärzte teilweise ganze Seminare belegen müssen, um ihre Gebührenordnung verstehen zu lernen, die außerdem alle 2 Jahre wieder geändert wird. Das Problem mit der Gebührenordnung ist z.B. folgendes: Ein Arzt kann die erste Untersuchung eines Patienten über die Gebührenordnung abrechnen lassen. Jede weitere Untersuchung des selben Patienten im gleichen Quartal macht der Arzt umsonst. Das ist die sogenannte Erstkontaktpauschale. Nun sind in dieser Pauschale auch einige zusätzliche Leistungen aufgeführt, die deshalb nicht separat berechnet werden können. Ein EKG oder eine ausführliche Beratung fallen darunter. Und als wäre das nicht schon kompliziert genug, werden Hausärzten pro Quartal nur eine bestimmte Menge an Patienten zugestanden. Behandelt ein Arzt mehr als die vorgeschriebene Anzahl an Patienten pro Quartal, so behandelt er diese Patienten praktisch ohne Honorar.
Heilpraktiker haben es da erheblich einfacher. Als Basis für meine Überlegungen verwende ich die folgende Leistungsübersicht, in der die mittleren Gebühren für verschiedene Behandlungs- und Anamnesemethoden aufgeführt sind. Zuerst fällt mir auf, dass die Leistungen, die Ärzte in der Erstkontaktpauschale bereits beinhaltet haben, für Heilpraktiker extra abgerechnet werden können. Außerdem scheint es keine Pauschale für Besuche beim Heilpraktiker zu geben. Im Gegenteil, es sieht so aus, als könnte der Heilpraktiker jeden Patienten bei jeder Untersuchung erneut abrechnen. Diese Abrechnung erfolgt wohl in der Regel in Bar und das bei jeder Konsultation. Die Kosten übernimmt also entweder der Patient selbst, oder eine Zusatzversicherung der gesetzlichen Krankenkassen. Diese Zusatzversicherungen werden ja mittlerweile von so ziemlich jeder Krankenkasse angeboten. Privatpatienten haben diesen Service natürlich ebenfalls. Berechnet werden die Kosten in der Regel pauschal nach dem oben erwähnten Gebührenverzeichnis für Heilpraktiker. Die Kosten spielen also eine wichtige Rolle bei der Behandlung von Patienten. Eine einfachere Gebührenordnung für Ärzte, die nicht dieser Vielzahl von Restriktionen unterliegt (und ich habe nur die eine angeschnitten, die ich in der Kürze der Zeit verstanden habe), wäre ein guter Anfang, um Hausärzte zu bekommen, die sich mehr Zeit für ihre Patienten nehmen können. Denn den Willen dazu, haben vermutlich die meisten Ärzte. Dieser Wille sollte aber auch ordentlich entlohnt werden.

Soviel zu unserer ersten Referentin und dem Gebührendschungel, durch den sich deutsche Ärzte wühlen müssen . Schauen wir mal, was unser nächstes Seminar so alles für uns in Petto hat!

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